Carmen Zünd-Bont (Mitte) lädt zusammen mit der Museumsleiterin Silke Schlör Schlickeiser in „Carmen’s Museumsbeizli“ ein. Bild: rz

Das Museum Rothus in Oberriet legt nicht nur Wert auf die Pflege der Kultur und Bräuche sondern auch der Begegnungen. Neu wird monatlich einmal ein Museumsbeizli geführt.

Rösli Zeller

Oberriet. Die Museumssaison konnte mit der Dauerausstellung „Vom Törgga zum Ribel“ mit Erfolg gestartet werden. Neu überraschen die Verantwortlichen mit „Carmens’s Museumsbeizli“, welches in der Ratsstube oder bei schönem Wetter im Freien geführt wird.

„Wir wollen damit eine Begegnungsmöglichkeit für alle Generationen schaffen und zugleich die Türen für das Museum offen halten“, sagt Co-Präsident Angelo Bont.

Aus Freude und Idealismus

Der Name „Carmen’s Musemsbeizli“ führt daher, weil die Leiterin Carmen heisst. Carmen Zünd-Bont (eine Schwester von Angelo Bont) lebte und arbeitete als Coiffeuse während knapp 30 Jahren im Glarnerland. „Ich habe immer gerne gebacken und gekocht. Dort, wo wir einst wohnten, habe ich jedes Jahr einmal für bis zu 180 Personen Gerstensuppe gekocht“, sagt Carmen Bont. Dass sie feines Gebäck ebenfalls herzustellen weiss, bewies sie letztes Jahr beim Saisonabschlussfest im Museum. Die Torten und weiteren Köstlichkeiten fanden reissenden Absatz. So lag es auf der Hand, dass sie sich dazu bereit erklärte, ehrenamtlich und aus grosser Freude nicht nur „Carmen’s Museumsbeizli“ zu führen, sondern dafür auch Kulinarisches herzustellen. Ihr Mann hilft ihr im Hintergrund. Am kommenden Sonntag, wenn das „Beizli“ erstmals geöffnet ist, werden nicht nur Hausgebäck sondern auch belegte Brötchen und Fleischplättli offeriert. Auch an die Kinder denkt die Hobby-Bäckerin. Nebst Kaffee werden weitere Getränke ausgeschenkt. Familienfreundliche Preise sind selbstverständlich. Ein allfälliger Reinerlös kommt der Museumskasse zugute.

Erstmals geöffnet

Am kommenden Sonntag, 26. Mai, öffnen das Museum Rothus sowie „Carmen’s Museumsbeizli“ die Türen. Wer das Beizli aufsucht, bezahlt keinen Museumseintritt. Bei schönem Wetter wird im Garten serviert und sonst steht die Ratsstube für die Besucherinnen und Besucher offen.

Im Museumslädeli können unter anderem der „Ribelfilm“ und Ribelbücher gekauft werden.

„Carmen’s Museumsbeizli“ ist an den Sonntagen 23. Juni, 28. Juli, 25. August, 22. September und 13. Oktober je von 14 bis 17 Uhr geöffnet.

Am Samstag, 8. Juni, wird zur Oberrieter Filmnacht eingeladen und am Sonntag, 9. Juni, findet das Museumsfest statt.

- Co-Präsident Angelo Bont, das neue Vorstandsmitglied Pascale Perrino-Spirig, Kriessern, die zurückgetretenen Peter Zünd und Beni Hutter. Bild: rz

 

 

An der Mitgliederversammlung des Museumsvereins Oberriet und der anschliessenden Vernissage der Dauerausstellung „Vom Törgga zum Ribel“ wurden diverse Neuerungen aufgezeigt. Der grosse Estrich im Stall wird aufgewertet.

Rösli Zeller

Oberriet. Es ist offensichtlich, dass die Verantwortlichen mit der neuen Ausstellung „Vom Törgga zum Ribel“ den Nagel auf den Kopf getroffen haben. Mit diesem Thema werden bei vielen nicht nur Erinnerungen an die Kindheit wach, sondern das Kulturgut und wertvolle (heute AOC-geschützte) Nahrungsmittel findet immer breiteren Anklang.

Positive Veränderungen

Das Wohlwollen, die finanzielle und ideelle Unterstützung durch die Gemeinde Oberriet sowie die fünf Ortsgemeinden würdigte Co-Präsident Angelo Bont in seinen einleitenden Worten. Als Gäste konnte er Gemeinderat Beni Heeb und Referent Hans Oppliger vom Verein Rheintaler Ribelmais begrüssen. Das Vereinsjahr wurde geprägt durch Veränderungen und Neuerungen. So machte Angelo Bont auf die neue Dauerausstellung „Vom Törgga zum Ribel“, die neuen Treppen im Stall und in den Estrich (anstelle einer Estrichklappe) und die Neugestaltung des Gemeindesaals, wo die Dauerausstellung untergebracht ist. Zudem wird bei Vernissagen oder grösseren Anlässen jeweils ein Zelt direkt beim Stalleingang aufgebaut, so dass der Stall und das Zelt eine Einheit bilden.

Kassier Emil Zeller präsentierte die Rechnung, welche mit einem kleinen positiven Ergebnis abgeschlossen werden konnte. Er machte darauf aufmerksam, dass die Museumsnacht und das Museumsfest (8./9. Juni) wieder wie vor zwei Jahren auf dem Werkhofareal stattfinden werden. Dieses Areal habe sich als äusserst ideal erwiesen.

Rücktritte und Wahlen

Archivar Peter Zünd und Beni Hutter, als Vertreter der Dorfschaft Kriessern, gaben ihren Rücktritt bekannt. „Die verschiedenen Dörfer sollen weiterhin im Vorstand vertreten sein. In Pascale Perrino-Spirig, Kriessern, haben wir eine ideale Nachfolgerin gefunden. Sie hat grosses Interesse am Thema Kunst und ist selber künstlerisch tätig“, machte Angelo Bont aufmerksam. Die Kunst erhalte damit noch mehr Wert im Museum. Einstimmig wurde Pascale Perrino-Spirig gewählt.

Die Nachfolge für Peter Zünd als Archivar ist noch vakant.

Angelo Bont ehrte Beni Hutter, welcher seit 38 Jahren (der Verein existiert seit 40 Jahren) sehr aktiv im Vorstand tätig war. Er habe sich grosse Verdienste ums Museum erworben und grossen Anteil an der baulichen Entwicklung.

Peter Zünd war seit der Gründung und dem Aufbau des Museums aktiv dabei. Er war während Jahren als Kustos, Präsident und Archivar tätig. „Das Museum wurde zu seinem Kind. Ihm war es ein grosses Anliegen, die Museumsleitung in jüngere Hände zu geben“, so Bont.

Mühlentag, Museumsfest, Museumsnacht, Kunstschaffende

Am kommenden Samstag, 11. Mai, wird von 10 bis 15 Uhr zum Mühlentag ins Museum eingeladen.
An der Museumsnacht, 8. Juni, wird der Film „Herzstark“ von Kuno Bont aufgeführt. Zudem wird als Attraktion das Holzrücken mit Pferd gezeigt.
Am Sonntag, 9. Juni, werden der Familienchor Kriessern und eine kleine Musikgruppe das Museumsfest umrahmen. Oldtimer-Traktoren werden ausgestellt und eine Museumsrallye findet statt. Es wird eine Festwirtschaft geführt.
Am 28. Juni findet die Vernissage „Kunstschaffende aus Oberriet“ statt.
Am 23./24. November wird erstmals zu einer Winterausstellung „Winterzauber“ ins Museum eingeladen.
Am 31. Dezember wird das Altjohr-Usschälle durchgeführt.

 


Vernissage

„Vom Törgga zum Ribel“

Durch die Vernissage „Vom Törgga zum Ribel“ führte Co-Präsident Alfons Ammann. Er versicherte, dass diese Dauerausstellung nicht beendet sei, sondern dass sie mit weiteren Objekten noch wachsen soll.

„Wir wollen mithelfen, kommenden Generationen unsere Kulturgüter wie der „Törgga“ oder die Vielfalt der Dialekte weiterzugeben und deshalb hin und wieder Neues zu wagen“, sagt Ammann.

Hans Oppliger vom Verein „Rheintaler Ribelmais“ referierte zum Thema „Rheintaler Ribel – ein ausgezeichneter Botschafter unserer Region“. Der Törgga-Anbau und das Ribelessen sind in den letzten Jahrzehnten massiv zurückgegangen. Man könne den Törgga  nur am Leben erhalten, wenn das Interesse dafür geweckt werde. Der Ribel – das einstige Hauptnahrungsmittel der Region – gehöre mehr auf den Speiseplan und sei nicht nur fürs Museum geschaffen. Referent Oppliger zeigte sich erfreut über die informative und modern gestaltete Ausstellung, welche fundierten Einblick in dieses Kulturgut vermittelt.

Zum Abschluss wurde Ribelsuppe, von Flavio Loher gekocht, serviert. Ribel wird beim Museumsfest angeboten.

Oberriet. Während zehn Jahren engagierte sich der von Josef und Gertrud Dietschi, Hard, initiierte Törggahöckler-Verein in der Region mit dem Ziel, den einheimischen Törgga, das Ribelmehl als vielseitig verwendbares Nahrungsmittel wieder bekannter und beliebter zu machen. Weil sich keine Nachfolger in den Vorstand finden liessen, wurde der Verein Ende letzten Jahrs mit grossem Bedauern aufgelöst. Aus dem kleinen Vereinsvermögen überreichten Präsident Reini Dietschi und Kassierin Gertrud Dietschi den Co-Präsidenten des Museumsvereins Oberriet, Angelo Bont und Alfons Ammann (li), einen Scheck von 250 Franken. Die Beschenkten versicherten, den Betrag ganz im Sinne des Törggahöckler-Vereins einzusetzen. Dies ist mit der am Freitagabend eröffneten Dauerausstellung „Vom Törgga zum Ribel“ passend und aktueller denn je. rz